Mit unseren Empfehlungen möchten wir Sie auf besondere Neuerscheinungen oder Neuauflagen aufmerksam machen. Die Auswahl der angezeigten Titel geschieht individuell durch unser Haus. Darum finden Sie an dieser Stelle von Zeit zu Zeit das eine oder andere Werk, welches für unsere Region besondere Bedeutung hat. Bei der Durchsicht unserer Empfehlungen wünschen wir Ihnen viel Vergnügen.
Richie fällt in die Bücherwelt von Bremer, Christiane/Jenny Meiners
Mit dem Heft „Richie fällt in die Bücherwelt“ von Christiane Bremer, illustriert von Jenny Meiners, startet der Verlag Friedrich Schaumburg die Herausgabe der Abenteuer von Richie, einer kleinen Feldmaus, die ausgesandt wird, einen Geschichtenschatz zu sammeln. Die Original-Maus wurde von Petra Plaas geschaffen.
| Preis: EUR 3,90 |
Richie findet Freunde von Bremer, Christiane/Jenny Meiners
| Preis: EUR 3,90 |
Richie erlebt ein blaues Wunder von Bremer, Christiane/Jenny Meiners
| Preis: EUR 3,90 |
Richie in der Höhle des Löwen von Bremer, Christiane/Jenny Meiners
Richie macht die Bekanntschaft mit einem klugen Hasen, einer gutmütigen Giraffe und einem kranken Löwen.
| Preis: EUR 3,90 |
Nikolski von Dickner, Nicolas
Nikolski, ein trostloses Dorf mit mehr Schafen als Einwohnern, liegt auf den Aleuten, einer unbewaldeten Inselkette vor Alaska, wo es an über 200 Tagen im Jahr regnet. Es ist der Ort, an dem sich die Spur des umtriebigen Seemanns Jonas Doucet verliert.
Einst hatte er abgemustert, um Kanada zu durchstreifen, und en passant zwei Söhne gezeugt, die sich nun in Montreal begegnen, ohne zu wissen, dass sie Halbbrüder sind: Der eine vergräbt sich als Mitarbeiter in einem Antiquariat, der andere - Noah, Sohn einer Indianerin, die mit einem alten Wohnwagen durch die Prärie zieht - nimmt ein Archäologiestudium auf. Zur gleichen Zeit schlägt sich Joyce nach Montreal durch, ihre unbekannte Cousine, die eine Karriere als Internet-Piratin anstrebt.
Zwischen den drei Hauptpersonen gibt es zahlreiche Berührungspunkte, aber es kommt nicht zur Aufdeckung der Familienverhältnisse. Als Einzelgänger suchen sie in der Nachfolge ihrer unsteten Vorfahren den eigenen Weg.
Dem einer Leidenschaft für Landkarten anhängenden Kanadier Nicolas Dickner, geboren 1972, ist ein unkonventionelles Debüt gelungen, das sich auf keine Sparte festlegen lässt. Abenteuer-, Reise-, Familien-, Entwicklungs-roman - alle Komponenten sind in den vor Phantasie überbordenden Erzählsträngen zu finden, die von einer feinen Mischung aus Humor und Melancholie durchzogen sind: Spielerisch leicht, licht, charmant!
| Preis: EUR 19,90 |
Alte Liebe von Heidenreich, Elke/Bernd Schroeder
Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, beide renommierte Schriftsteller und Drehbuchautoren, sind seit 37 Jahren verheiratet, leben aber seit 1995 getrennt. Nun haben sie gemeinsam einen Roman geschrieben - über die Liebe.
Ihre Hauptfiguren Lore und Harry gehören ihrer Generation an, sind also in der Lebenshaltung durch die 68er-Bewegung geprägt. Während Harry als Architekt im Bauamt alt geworden ist und nun sein ruhiges Rentnerdasein bei intensiver Gartenarbeit genießt, kann sich die umtriebige Bibliothekarin Lore noch nicht von ihrem Beruf trennen; sie lebt für "ihre Dichter" - auch aus Mangel an Alternativen. Allen Zweifeln und Krisen zum Trotz sind die beiden beieinander geblieben und stehen jetzt vor der Entscheidung, ob sie an der dritten Hochzeit ihrer Tochter Gloria mit einem undurchsichtigen Baulöwen teilnehmen sollen.
Nachdem Elke Heidenreich und Bernd Schroeder die Geschichte in groben Umrissen skizziert hatten, haben sie abwechselnd die Kapitel geschrieben, ohne über den Text zu sprechen. So sind unendlich komische, hintergründige, entlarvende Szenen und Dialoge entstanden, denn nach vierzig Jahren Ehe sind die eigenen Fehler und die des anderen bestens bekannt. An keiner Stelle aber wird auch nur eine der Personen der Lächerlichkeit preisgegeben. Ein kluges, zärtliches, wahrhaftiges Buch, das genau das einfängt, was der Titel verspricht: Eine erfüllte alte Liebe.
| Preis: EUR 17,90 |
Grünkohl und Curry von Kazim, Hasnain
Hasnain Kazim wurde 1974 im niedersächsischen Oldenburg geboren und wuchs in Hollern-Twielenfleth im Landkreis Stade auf. Nach dem Abitur am Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium und Jahren bei der deutschen Marine studierte er Politikwissenschaft, um Journalist zu werden. Er schrieb u.a. für die "Heilbronner Stimme" und die Nachrichtenagentur "dpa". 2006 übernahm er einen Redaktionsposten bei "Spiegel online", und seit Juli 2009 ist er als Südasienkorrespondent mit Wohnsitz in Islamabad für "Spiegel Online" und "Spiegel" tätig.
Eine bemerkenswerte Karriere für einen deutschen Abiturienten, allerdings weist der Name auf andere Wurzeln. Hasnain Kazim stammt aus einer indisch-pakistanischen Familie. Die Stellenanzeige einer Bremer Reederei in einer pakistanischen Zeitung führt den Vater nach Deutschland, wo er sich durch zahlreiche Fortbildungen zum Kapitän qualifiziert. Seine Frau und er verlieben sich in das Land und seine Menschen, wie der Sohn, Hasnain, in seinem soeben erschienenen Buch "Grünkohl und Curry" schildert. Das vermeintlich fremde Paar, dem bald zwei Kinder geboren werden, wird schnell Teil der dörflichen Gemeinschaft, muss jedoch lange, unterstützt von Bekannten und Freunden, um die offizielle behördliche Anerkennung bangen und kämpfen.
Ein bereicherndes Buch, geprägt von Menschlichkeit und Toleranz.
| Preis: EUR 14,90 |
Die Madonnina von Schroeder, Bernd
Wer im letzten Herbst das Buch "Alte Liebe" von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder mit Gewinn gelesen hat, sollte sich unbedingt den Gefallen tun, den Roman "Die Madonnina" anzuschließen, in dem der Autor in einer wunderbar poetischen Sprache ebenfalls der Frage nach wirklicher Liebe nachgeht.
Hoch oben auf einem Berghof in den italienischen Alpen lebt Severina mit ihrer Schwiegermutter. Sie ist gerade dabei, Brennholz zu schlagen, ihr Rücken schmerzt, als ein sirrender Klang die Luft durchschneidet. Es ist der Ton, der entsteht, wenn jemand auf das Ende des Transportseillifts schlägt, um sein Kommen anzukündigen. Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis der Besucher eintreffen wird. In jeder Kehre wird er sich deutlicher abzeichnen, doch Severina erkennt in der Silhouette schon jetzt ihren Mann Massimo, der sie vor einem Jahr wegen einer Mailänder Touristin verlassen hatte.
Severina hatte damals im Dorf unten nach ihm gesucht und wurde schließlich, als sie ihn vermisst meldete, von den Carabinieri verspottet. Seitdem hat sie beharrlich geschwiegen und den Berg nicht mehr verlassen.
Wie wird es jetzt sein, wenn Massimo zurückkommt? Hat die Liebe Demütigung, Einsamkeit und Schweigen überdauert?
"Severina, diese unglaublich trotzige, ein wenig todessüchtige >kleine Madonna< vom Berg, ist einfach unwiderstehlich." (Der Spiegel)
| Preis: EUR 8,95 |
Ein fabelhafter Lügner von Pásztor, Susann
"In meiner Familie lernt man sich oft sehr spät kennen und manchmal überhaupt nicht. Dafür wird sehr viel über andere Familienmitglieder nachgedacht, vor allem dann, wenn man nichts über sie weiß oder lieber nichts wissen will. Und es werden Geschichten erzählt, bei denen man nie sicher sein kann, ob sie wahr sind oder nicht und wer sie erfunden haben könnte."
Die Einführung der 16jährigen Lily in die Konstellation ihrer Familie wundert nicht, hatte doch ihr Großvater Joschi Molnár fünf Kinder mit fünf verschiedenen Frauen. Nachdem er die beiden ältesten Kinder und seine zweite Frau in Auschwitz verloren hatte, strickte er sich immer neue Identitäten aus phantastischen Geschichten und faustdicken Lügen, so dass die drei verbliebenen Kinder ganz unterschiedliche Vaterbilder in sich tragen: Der Verräter, der Abwesende, der Geschichtenerzähler und Tausendsassa.
Als sich die Halbgeschwister dreißig Jahre nach Joschis Tod anlässlich seines hundertsten Geburtstags zu einem Wochenende in Weimar treffen, prallen Welten aufeinander. Wie es dennoch zu einer Annäherung kommt, lässt die Autorin die (vermutlich) einzige Enkelin Lily in einem frischen, unverbrauchten Tonfall erzählen.
Einfühlsam und humorvoll fängt Susann Pásztor eine tragikomische Familiengeschichte ein, die ihresgleichen sucht. Das Buch ist eine Entdeckung wert!
Buchbesprechung in "willies" 3/2010 Heide Koller-Duwe
| Preis: EUR 17,95 |
Latte Igel und der Schwarze Schatten von Lybeck, Sebastian
Es gibt ein neues Abenteuer von Latte Igel!
Ein halbes Jahrhundert nach Veröffentlichung der ersten Geschichte, in der der mutige Igel zahlreiche Gefahren auf sich nimmt, um seinen Heimatwald mit Hilfe des zauberkräftigen Wassersteins vor dem Austrocknen zu bewahren, ist ein neuer, farbig illustrierter Roman zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahre erschienen. Autor der Tierabenteuer ist der Finne Sebastian Lybeck, Jahrgang 1929, der auch als Journalist und Übersetzer tätig war.
Latte Igel ist alt geworden: Kleine körperliche Gebrechen plagen ihn, und sein Gedächtnis lässt nach. Am liebsten verbringt er die Tage am Forellensee, wo er mit Freunden plaudert oder den Jungtieren von seinen aufregenden Reisen erzählt. An einem sonnigen Morgen begibt er sich in aller Frühe allein an seinen Lieblingsplatz, um nach einem erfrischenden Bad auf einem weichen Grasflecken auszuruhen. Doch plötzlich sackt der Boden unter ihm weg, und er fällt immer tiefer. Als er aus einer Art Schlaf erwacht, muss er feststellen, dass er sich in einem fremden, freudlosen Wald befindet, in dem der Schwarze Schatten regiert. Dieser listige Herrscher veranstaltet einen Zauberwettbewerb. Als Gewinn winkt der Magische Handschuh, mit dessen Kraft Latte Igel wieder nach Hause kommen könnte. Wird der alte Igel die drei schwierigen Aufgaben im Wettkampf meistern?
Buchbesprechung in "willies" 4/2010 Heide Koller-Duwe
| Preis: EUR 14,90 |
Die Teilacher von Bergmann, Michel
Frankfurt, 1972: David Bermann, der "Einstein unter den Teilachern" - den jüdischen Handlungsreisenden - ist tot. Nach der Beerdigung treffen sich seine ehemaligen Kollegen in ihrem Stammcafe und erzählen von der Nachkriegszeit, in der sie - oft als einzig Überlebende ihrer Familie - aus den Lagern, dem Ghetto in Shanghai oder der Fremdenlegion mangels Alternative zurückgekehrt sind. Entgegen ihren ursprünglichen Plänen bleiben sie und begegnen im Alltag nicht nur ihren Traumata, sondern als Vertreter an den Haustüren auch alten Vorurteilen. Aber sie sind gewieft und haben sich mit einem Humor gewappnet, der von unbändigem Überlebenswillen durchzogen ist. Sie bleiben in sich und unter sich auf der Suche nach neuem Lebenssinn in einem Umfeld, in dem alle Mitmenschen, ob einheimische Bevölkerung, Besatzer oder Rückkehrer, vom Krieg gezeichnet sind.
Dem Hamburger Drehbuchautor und Regisseur Michel Bergmann, 1945 als Kind jüdischer Eltern in der Schweiz geboren, ist mit seinem autobiographisch geprägten Debüt ein außergewöhnlicher Roman gelungen, der in eine unbekannte Welt einführt: Zärtlich, berührend-traurig und gleichzeitig hintergründig-komisch. Sprachliche Grundlage ist das Jiddische mit seinem weisen Witz: "Gott sagte: Ich habe Gebote für euch. Und Moses fragte, was kosten die? Nix, sagte Gott. Okay, dann nehme ich zehn!"
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "WILLIE'S 5/2010".
| Preis: EUR 19,90 |
Sogar Papageien überleben uns von Martynova, Olga
Die russische Philologin Marina aus Petersburg befindet sich auf einer Vortragsreise durch Deutschland, die den Dichter Daniil Charms und seinen Freundeskreis zum Inhalt hat. Sie trifft Andreas wieder, den ehemaligen Austauschstudenten, mit dem sie vor zwanzig Jahren in Leningrad eine Liebesgeschichte verband. Sein Heiratsantrag lässt sie über die Vergangenheit nachdenken, die nicht vergangen ist: "Ich habe Angst vor den Geheimnissen der Zeit." So entsteht ein Erinnerungsraum, in dem sowohl persönliche Erlebnisse als auch die gewaltigen Brüche in der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ihren Platz finden: Zarenreich, Revolution, Sowjetunion, Weltkriege und Perestrojka - "Was weiß ich noch von diesem Winter? Es war nicht mehr viel übrig von der Substanz der uns vertrauten Zeit. Sie wurde flüssig. Sie wurde spärlich. Man konnte sehen, dass sie fast alle war. Die runde abgeschlossene Welt, in die ich geboren war, flog wie ein Luftballon davon."
Olga Martynova, 1962 in Sibirien geboren, wuchs in Leningrad auf, wo sie russische Sprache und Literatur studierte. Seit 1991 lebt sie in Frankfurt. Die Übersetzerin, Essayistin und Lyrikerin hat ihren ersten, mit einem Zitat von Joseph Roth betitelten Roman auf Deutsch geschrieben. Der leise, berührende, kluge Text gewährt überraschende Einsichten in beide Kulturen: "Naja, denkt das Publikum, die Russen mit ihrer Schwermut."
Buchbesprechung in "willies" 6/2010 Heide Koller-Duwe
| Preis: EUR 19,00 |
Der Duft von Schokolade von Arenz, Ewald
Schließen Sie die Augen und denken Sie an Schokolade... Keine beliebige Schokolade, sondern exquisite, zart schmelzende, deren Duft ein Hauch von Gewürz umweht... Läuft Ihnen das Wasser im Mund zusammen? Dann sind Sie in der richtigen Stimmung für diesen sinnlichen Roman, der zum Träumen verführt, aber gleichzeitig von großer innerer Spannung durchzogen ist.
Im Frühjahr 1881 quittiert der Leutnant August Liebeskind den Militärdienst in Wien. Bis zum Eintritt in die Schokoladenfabrik seines Onkels bleibt ihm ein Sommer der Ungebundenheit, in dem er seine Lebensziele überdenken kann. Sein Werdegang scheint vorbestimmt, einzig ein ausgefallener Geruchssinn, der mit Bildern und Vorahnungen verbunden ist, zeichnet ihn aus. Bei einem Besuch im Kaffeehaus macht August die Bekanntschaft der aparten, unkonventionellen Elena Palffy, in deren rauchigen, exotischen Duft er sich verliebt. August umwirbt sie mit eigenen Schokoladenkreationen, er wird ihr Pralinésoldat, - aber hat ihre Leidenschaft eine Zukunft? Elena ist verheiratet und ihr Mann unter mysteriösen Umständen verschwunden. Mit dem Brand im Ringtheater, einer der größten Katastrophen des 19. Jahrhunderts, kommt es zur schicksalhaften Entscheidung.
Der Autor Ewald Arenz, Jahrgang 1965, studierte Anglistik, Amerikanistik und Geschichte. Er lebt in Fürth.
Buchbesprechung in "willies" 7/2010, Heide Koller-Duwe
| Preis: EUR 8,90 |
Kuchen backen in Kigali von Parkin, Gaile
Gaile Parkin hat in vielen Ländern Afrikas als Beraterin zu Fragen der Erziehung, Geschlechterrollen und HIV-Erkrankungen gearbeitet. Ihre Erfahrungen sind in einen warmherzigen Roman eingeflossen, in dessen Mittelpunkt die Kuchenbäckerin Angel steht.
Angel, eine rundliche Frau in den Wechseljahren, ist nach dem Tod ihrer erwachsenen Kinder mit ihrem Mann und fünf minderjährigen Enkeln nach Ruanda gezogen. Während Pius an der Hochschule der Hauptstadt Kigali im Zuge der Wiederaufbauhilfe nach dem Völkermord beste Verdienstmöglichkeiten besitzt, begründet Angel einen privaten Tortenservice. Sie erhält Aufträge für festliche Anlässe, wie Taufe und Hochzeit, Scheidung, Heimkehr und Beschneidung. Bei einer Tasse wohltuendem Gewürztee bespricht Angel die individuelle Farb- und Formgebung, so dass sie häufig Hintergründe und damit ganze Lebensgeschichten ihrer Kunden erfährt. Es handelt sich um Menschen, deren Schicksale von Völkermord, Verschleppung, Flucht und Krankheit zeugen, die aber alle versuchen, das Leben anzunehmen. Angel hört zu, nimmt hier und da einfühlsam oder gewitzt Einfluss und knüpft hilfreiche Kontakte, so dass sie sich schließlich auch ihren eigenen Wunden stellt.
"Kuchen backen in Kigali" ist ein lebenskluger Roman für Frauen, der zeigt, was jeder Mensch an seinem Platz bewirken kann.
Heide Koller-Duwe: Buchtipp in "willie's" 8/2010
(Inzwischen ist der Titel auch als Taschenbuch lieferbar, ISBN: 978-3-548-28282-4, Preis: 8,95 €, Ullstein TB)
| Preis: EUR 16,90 |
Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein von Pilatova, Marketa
"Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein, wo er uns doch beide geliebt hat." Mit diesem Satz auf den Lippen steht eines Tages Luiza aus Brasilien vor Maruskas Tür in Prag. Die beiden alten Frauen sehen sich zum ersten Mal, und doch haben sie schon Jahrzehnte miteinander gelebt, verbunden durch die Liebe zu demselben Mann. Jaromír und Maruska waren ein Paar, bevor er als Halbjude vor den vorrückenden deutschen Truppen aus Mähren nach Südamerika floh, wo er in den Spionagedienst eintrat. Nach dem zweiten Weltkrieg begann er einen Briefwechsel mit Maruska, die inzwischen unter kommunistischer Regierung in Prag lebte. Er hielt die Verbindung auch nach der Heirat mit Luiza aufrecht, die nun, als Witwe, die andere Frau im Leben ihres Mannes kennen lernen möchte. Schnell wird Luiza und Maruska klar, dass Jaromír sie zwar geliebt, vor allen Dingen aber benutzt hat. Gemeinsam mit zwei jungen Frauen aus Brasilien, die als Rückkehrer in Tschechien, dem Land ihrer Vorfahren, leben, versuchen sie nun, sich zurückzuerobern, was ihnen die Geschichte genommen hat: Eine eigene Identität.
Die Journalistin Markéta Pilátová wurde 1973 in Prag geboren und lebt heute in Südamerika. Sie verwebt mit hintergründigem Witz geschickt vier weit gespannte Lebensläufe zu einem ermutigenden Frauenroman, der einen spannenden osteuropäischen Blickwinkel auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts beinhaltet.
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's" 9/2010
| Preis: EUR 19,90 |
Mein erstes Auto war rot von Schössow, Peter
Das Bilderbuch für Jungen, ihre Väter und Großväter:
Nichts geht über Autos und Autofahren! Gemeinsam mit seinem Opa - der nirgendwo im Bilderbuch zu sehen ist - verwandelt ein kleiner Junge eine alte Rostlaube in ein schickes, rotes Auto. Nach erfolgreicher Fahrschulprüfung (nie wieder über Opas schlimmen Zeh) geht er auf Tour, an Wiesen vorbei und Abhänge hinunter, verfolgt von Wespen und hinein in die Schweinesuhle. Immer dabei sein kleiner Bruder, der gerade Einwortsätze bilden kann: Mit. Los. Tief. Tot? Ein riesengroßes Vergnügen für Jung und Alt – nicht zuletzt wegen der kommentierenden Verkehrsschilder an den Bildrändern.
| Preis: EUR 14,90 |
Oma - Emma - Mama von Pauli, Lorenz/Kathrin Schärer
Das Bilderbuch für Mädchen, ihre Mütter und Großmütter:
Das Chamäleonmädchen Emma will Verstecken spielen, aber ihre Oma belächelt den Vorschlag, weil Chamäleons doch immer versteckt sind. Jetzt wird Emma wütend, denn sie findet, dass ihre Ideen ständig abgelehnt werden, sie aber auch nie etwas allein machen darf. Also gibt Oma nach. Doch als die beiden spielen, sucht Mama Oma, die sich nun ihrerseits bevormundet fühlt. Sind die Erfahrungen der jungen und der alten Generationen vielleicht gar nicht so verschieden? Das Versteckspiel entwickelt sich zum liebevollen Rollenspiel, kongenial illustriert von Kathrin Schärer, die zuletzt mit „Johanna im Zug“ hervortrat.
| Preis: EUR 14,90 |
Rico, Oskar und die Tieferschatten von Steinhöfel, Andreas
Das etwas andere Kinderbuch, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis:
Rico ist, wie er selbst zugibt, ein tiefbegabtes Kind. Das Denken dauert einfach ein bisschen länger als bei anderen, manchmal vergisst er auch Dinge und es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren. Aus diesem Grunde soll er ein Ferientagebuch führen. Als er den hochbegabten Oskar kennenlernt und sie gemeinsam die Spur des „Aldi“-Entführers aufnehmen, der immer nur schäbige 2000 Euro für seine Opfer fordert, füllt sich das Tagebuch auf ungeahnte Weise. Ein einzigartiges, witziges Kinderbuch, das zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt.
| Preis: EUR 12,90 |
Reckless. Steinernes Fleisch von Funke, Cornelia
Ein phantastisches Abenteuer:
Es waren einmal zwei Brüder, Jacob und Will. Jacob, der Ältere, lebt überwiegend in der Welt hinter dem Spiegel mit all ihrem Zauber und ihren Gefahren, in der er seinen Vater sucht. Als Will ihm eines Tages folgt, wird er von einem Goyl angegriffen. Sein Fleisch verwandelt sich in Stein – kostbaren Jadestein, und es bleibt nur wenig Zeit, ihn zu retten... Cornelia Funkes brandneuer Roman entführt in eine dunkle Spiegelwelt, die von den Märchen der Brüder Grimm inspiriert wurde.
| Preis: EUR 19,95 |
Nathan und seine Kinder von Pressler, Mirjam
Der Klassiker in neuem Gewand:
Wer kennt es nicht, das Theaterstück „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, 1779 im Geiste der Aufklärung als ein eindrucksvolles Plädoyer für die Koexistenz der Religionen entstanden. Mirjam Pressler lässt die Figuren in einem Roman für Leser ab 14 Jahren neu lebendig werden. Ein einfühlsam und nachhaltig erzähltes Buch, aktueller denn je.
| Preis: EUR 16,95 |
Ein Sommer in Venedig von Odojewski, Wlodzimierz
Der Geheimtipp:
Im Sommer 1939 lässt der heraufziehende Zweite Weltkrieg alle Pläne einer polnischen Familie platzen. Anstatt mit seiner Mutter nach Venedig zu reisen, wird Marek aufs Land geschickt. Je näher das Kriegsgeschehen rückt, desto deutlicher wird, dass Marek vorzeitig erwachsen werden muss, aber durch die Feinfühligkeit und Phantasie seiner Tante Weronika wird ihm noch ein Aufschub gewährt: Sie macht ihm damit ein Geschenk fürs Leben. Beschenkt fühlt sich auch jeder Leser durch diesen zarten, poetischen Text.
| Preis: EUR 14,80 |
Kalter Abgrund von Lange, Moritz Wulf
Ein Berlin-Krimi mit Bezug zum Stader Elbe-Klinikum:
Der Privatdetektiv Michael Dallinger ist genervt: Seit Tagen schneit es, ein neuer Auftrag lässt auf sich warten - und nun auch noch der Anruf seiner Exfreundin, die überraschend von Stade nach Berlin gekommen ist, um sich mit ihm zu treffen. Wenig später wird sie tot aufgefunden. Da ein Abschiedsbrief existiert, ist der Fall für die Polizei klar: Selbstmord. Doch Dallinger glaubt nicht daran und ermittelt auf eigene Faust. Der zweite Krimi um den Berliner Ermittler mit einem irreführenden Angebot unterschiedlicher Verdächtiger - Spannung garantiert bis zum Schluss.
| Preis: EUR 14,90 |
Die Jesuitin von Lissabon von Müller, Titus
Am 1. November des Jahres 1755 zerstört ein Erdbeben von bisher nicht gekanntem Ausmaß die Stadt Lissabon. Geborstene Küchenöfen entfachen eine Feuersbrunst, der die Ruinen und auch die bis dahin unzerstörten Gebäude zum Opfer fallen. Die Überlebenden fliehen an den Fluss Tejo, wo sie eine fünf Meter hohe Flutwelle erwartet, unter der das gesamte untere Stadtzentrum Lissabons versinkt. Unzählige Menschen werden getötet oder verwundet.
Mit der Suche nach natürlichen Erklärungen für die Katastrophe zieht der junge Wissenschaftler Antero den tödlichen Hass seines ehemaligen Lehrers, des mächtigen Jesuitenführers Gabriel Malagrida, auf sich, der den Überlebenden einzureden sucht, das Erdbeben sei eine Strafe Gottes. In der geheimen Gefolgschaft der Jesuiten befindet sich auch Leonor, die Tochter eines deutschen Kaufmanns, in dessen Haus Antero verkehrt. Durch das Erdbeben einerseits, in dem ihre ältere Schwester umgekommen ist, und ihre Liebe zu Antero andererseits beginnt Leonor, an der fanatischen Lehre zu zweifeln.
Der meisterlich erzählte Roman, der den sich verstärkenden Streit zwischen Religion und Wissen-schaft, aber auch die Frage nach dem rechten Glauben zum Inhalt hat, stammt von Titus Müller, der vielfach für seine Bücher ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Sir Walter Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres 2008.
Sebastian Duwe, Buchtipp in "willie's" 10/2010
| Preis: EUR 19,95 |
Kokoschkins Reise von Schädlich, Hans-Joachim
"Es findet sich nichts Überflüssiges, nicht einmal Ausschmückendes, kein Wort zu viel in diesem großen Roman - vielmehr, und das ist das Erstaunliche angesichts dieser großen Thematik und eine wirklich grandiose Leistung des Autors, hat man den Eindruck, dass nicht ein einziges Wort fehlt." Das Buch, dessen Stil Die Berliner Literaturkritik von Daniela Langer lobt, wurde mit der Corine 2010 in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet.
Im Mittelpunkt steht der rüstige Mittneunziger Fjodor Kokoschkin, ein emeritierter Professor der Biologie, der an Bord der Queen Mary 2 von einer Reise an die Orte seiner Kindheit und Jugend nach New York zurückkehrt. In den Tagen auf See mit ihrem luxuriösen Müßiggang steigen Kokoschkins Erinnerungen auf, die, untrennbar verflochten mit den Schicksalen anderer Menschen, Verfolgung, Flucht und Entbehrung beinhalten: Aus St. Petersburg, wo sein Vater 1918 von Bolschewiken ermordet wird, flieht er mit seiner Mutter über Odessa nach Berlin und als Folge der Machtergreifung Hitlers weiter nach Prag.
Hans Joachim Schädlich, dessen Roman die fundamentalen Umwälzungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wachruft, ist selbst Opfer eines politischen Systems. 1977 musste er die DDR verlassen, um bei Einsicht seiner Stasi-Akten Anfang der neunziger Jahre festzustellen, dass sein Bruder ihn bespitzelt hatte.
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's" 11/2010
| Preis: EUR 17,95 |
Die schönsten Buchhandlungen Europas von Moritz, Rainer
"Plötzliche Regenfälle können zum Betreten einer Buchhandlung führen", bemerkte schon Loriot, - für Leser allerdings existiert eine wetterunabhängige Anziehungskraft dieser Orte. Die Gründe für die Faszination können vielfältig sein. Meistens handelt es sich um ein mehr oder minder bewusst wahr genommenes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren, wie ein ausgefallenes, zu Entdeckungen einladendes Sortiment, Belesenheit und Kompetenz der Buchhändler oder auch die Atmosphäre von Einrichtung und Raum. "Besuche in Buchhandlungen werden zu unvergesslichen Erlebnissen, sobald ein Zauber überspringt, wenn man lesend und redend die Zeit vergisst und zuletzt mit einer Tüte voll Bücher nach Hause geht, deren Kauf man beim Betreten des Ladens gar nicht beabsichtigt hatte", so Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses.
Seine unterhaltsamen Porträts zwanzig außergewöhnlicher Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum und in Westeuropa, illustriert durch brillante Aufnahmen der Fotografen Reto Guntli und Agi Simoes, fangen den individuellen Reiz ein und wecken bei jedem Literaturliebhaber Stöber- und Reiselust.
Der bis ins Detail liebevoll gestaltete Bildband ist im Hildesheimer Gerstenberg Verlag erschienen, der für seine hohen Qualitätsansprüche bekannt ist.
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's 12/2010
| Preis: EUR 39,95 |
Die silberne Burg von Weigand, Sabine
Die aus Franken stammende Historikerin Sabine Weigand, die als Ausstellungsplanerin für Museen tätig ist, lässt sich durch außergewöhnliche Quellen zu spannenden historischen Romanen inspirieren. Im Mittelpunkt ihres neuen Buches steht die jüdische Ärztin Sara, deren Bestallungsurkunde im Staatsarchiv Würzburg verwahrt wird.
An dem Tag, an dem Sara im Oktober 1390 als lang ersehntes Kind des Geldverleihers Levi Lämmlein in Siegburg geboren wird, verarmen ihre Eltern durch einen neuerlichen Judenschuldenerlass des Königs. Sie müssen ihr Haus aufgeben und suchen Zuflucht bei der Gemeinde von Köln, wo Levi das Amt des Synagogendieners annimmt. Zur selben Zeit werden in Südengland Mitglieder einer Reformbewegung von der katholischen Kirche als Ketzer verfolgt. Bei einem Massaker bleibt einzig ein Säugling verschont, der unter dem Namen Ciaran von irischen Mönchen aufgezogen wird. Und auf dem Rittergut Riedern bei Lauda wächst der kleine Ezzo als Sohn des Gutsherrn und einer Magd auf.
Alle drei Hauptpersonen reisen 1415 im Umfeld einer Gruppe von Gauklern am Rhein entlang zum großen Konzil von Konstanz, wo sie in Machtintrigen geraten, da sie ein Geheimnis hüten, das der Welt von Kaiser und Papst gefährlich werden kann.
Abtauchen ins Mittelalter nicht nur an langen Winterabenden...
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's" 1/2011
| Preis: EUR 19,95 |
Asja von Ignatieff, Michael
Anastasia, liebevoll Asja genannt, wird am 1. Januar 1900 als Tochter des Prinzen Galizin in Moskau geboren. Nachdem sie als Kind bei dem Versuch, einen zugefrorenen Fluss zu überqueren, eingebrochen ist und den Tod vor Augen hatte, entwickelt sie sich jenseits aller Konventionen zu einer furchtlosen, selbstbestimmten jungen Frau. In den Wirren des Bürgerkriegs verliebt sie sich in Sergej, einen Offizier auf Seiten der Revolutionäre. Nach nur einer gemeinsamen Nacht werden die beiden getrennt, Asja flieht allein nach Paris, wo sie innerhalb der stetig wachsenden russischen Exilgemeinde lebt, die den Streit um unterschiedliche Ideologien bis aufs Blut austrägt.
Durch die epochalen Ereignisse des 20. Jahrhunderts wird Asja von Paris weiter nach Nizza und London vertrieben. Während des Zweiten Weltkriegs erlebt sie eine neue große Liebe zu einem kanadischen Soldaten der Alliierten. Dessen Sohn begleitet Asja, als sich ihr Lebenskreis 1990 in dem von der Politik Gorbatschows geprägten Moskau auf der Suche nach Sergej schließt.
"Asja" war das begeistert aufgenommene Debüt des Autoren und Historikers Michael Ignatieff, heute Vorsitzender der Liberalen Partei Kanadas. Der Roman um ein spannendes Frauenschicksal, das alle Zeitläufe der europäischen Geschichte des letzten Jahrhunderts, getragen von vielfältigen politischen Systemen, beinhaltet, nimmt nachhaltig gefangen.
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's" 2/2011
| Preis: EUR 7,99 |
War's das? von Weck, Peter
"Lass ihn nur, seine Eigenwilligkeit gefällt mir, der wird einmal seinen Weg machen!", verteidigte Leo Weck den Sohn gegenüber seiner Frau Rosa, wenn der Junge wieder einmal Menschen eingehend beobachtet und dann nachgeahmt hatte. Bei dieser Prophezeiung dachte Leo Weck aber sicher nicht daran, dass sein Sohn Peter einmal ein berühmter Schauspieler, Regisseur und Intendant werden sollte.
Die ersten Bühnenerfahrungen sammelte Peter Weck Anfang der vierziger Jahre bei den Wiener Sängerknaben - eine Prägung, die ihn veranlasste, nach dem Abitur Musik zu studieren. Unentschlossen wandte er sich, dem Wunsch seines Vaters folgend, einem Technikstudium zu, das durch eine schwere Darmerkrankung unterbrochen wurde. Nach mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt besuchte er einen Studentenball, bei dem er mit Anekdoten und Pantomimen die ganze Gesellschaft unterhielt, darunter ein Student des Max-Reinhardt-Seminars, der ihm vorschlug, eine Aufnahmeprüfung abzulegen - der Beginn einer Bühnenkarriere; der andere Student wurde später übrigens Psychiater.
Peter Wecks Autobiographie zeugt von einem interessanten Leben im Umgang mit den größten Kulturschaffenden der Zeit. Befragt, ob er Glück gehabt habe, antwortete er einmal: "Natürlich, aber man muss es eben verwerten können, denn auf die Dauer hat nur der Untalentierte Pech".
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's" 3/2011
| Preis: EUR 22,95 |
Im Meer schwimmen Krokodile von Geda, Fabio
Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch ist kein literarisches Meisterwerk - und dennoch ist es zutiefst beeindruckend und unbedingt lesenswert, denn es enthält eine wahre Geschichte.
Enaiatollah Akbari lebt in dem kleinen Dorf Nawa in Afghanistan und ist etwa 10 Jahre alt, als seine Mutter beschließt, ihn außer Landes zu bringen. Zu gefährlich wird das Leben für den Heranwachsenden, der inzwischen zu groß ist, um sich gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder in einem Erdloch vor den Übergriffen der Taliban und Paschtunen zu verstecken. Mit Hilfe eines Schleppers gelingt es der Mutter, den Jungen über die Grenze nach Pakistan zu begleiten. Dort nimmt sie ihm das Versprechen ab, sich niemals auf Drogen einzulassen, keine Waffen zu benutzen und nicht zu stehlen. Als Enaiatollah am nächsten Morgen erwacht, ist seine Mutter verschwunden. Von nun an ist der Junge auf sich allein gestellt, aber sein unbändiger Lebenswille treibt ihn immer weiter. Er begegnet Menschen, die ihn ausnutzen und in gefährliche Bedrängnis bringen. Doch er findet auch Freunde, die ihm bei seiner Flucht helfen. Und er muss fliehen, denn überall, wohin er kommt, ist er ein Fremder und unerwünscht.
Geschildert ist diese unglaubliche Odyssee in einer schlichten, unaufgeregten Sprache, bei der der Erzähler viele Details seiner "Reise" der Phantasie des Lesers überlässt. Unmissverständlich ist sein Plädoyer für Menschlichkeit und mehr Miteinander. Und wenn sich bei der Lektüre des Buches am Ende der Gedanke aufdrängt, es müsse sich wegen des glücklichen Ausgangs wohl um ein Märchen handeln, sollte uns bewusst sein, dass Enaiatollahs Schicksal – und erst recht das Leben in Ländern, in denen Freiheit gesichert ist – die Ausnahme darstellt.
Sebastian Duwe
| Preis: EUR 16,99 |
Maria Aurora von Königsmarck von Schröder, Dorothea
Ein Jahr vor dem 350. Geburtstag Maria Aurora von Königsmarcks erscheint im Verlag Friedrich Schaumburg eine bibliophil gestaltete, unterhaltsame Lebens- und Epochenskizze, die die weitreichenden Verbindungen der berühmten und hoch verehrten schwedischen Gräfin in Nord- und Mitteleuropa nachvollzieht. Neben Stade, Hamburg, Dresden, wo sie als Mätresse Augusts des Starken im Zentrum des höfischen Geschehens stand, und Quedlinburg finden auch Bad Bederkesa, Braunschweig, Bremervörde, Celle, Goslar, Hannover und Wolfenbüttel Erwähnung.
Bei dem Buch „Maria Aurora von Königsmarck. Eine schwedische Gräfin aus Stade“ handelt es sich um die überarbeitete und durch aktuellste Forschungsergebnisse erweiterte Neuauflage des Bandes „Die schöne Gräfin Königsmarck“, 2003 erschienen im Verlag Hellmut Saucke.
Die Autorin, Dorothea Schröder, die in Hamburg Musikwissenschaft und Kunst-geschichte studierte, ist freiberuflich tätig. Einer ihrer Interessenschwerpunkte liegt auf der Kultur- und Musikgeschichte Norddeutschlands im 17. und 18. Jahrhundert.
Die Drucklegung dieses Werkes wurde gefördert von der Kulturstiftung Schloss Agathenburg sowie der Volksbank Stade-Cuxhaven eG.
| Preis: EUR 19,50 |
Die Filmerzählerin von Rivera Letelier, Hernán
"Man muss mein Gesicht nur anschauen, dann sieht man gleich, dass ich kein Intellektueller bin. Ich sehe eher wie ein abgehalfterter Boxer aus. In meinem Gesicht trage ich die Kartographie der Wüste", so die Selbsteinschätzung des chilenischen Autors Hernán Rivera Letelier. 1950 geboren, verbrachte er seine Kindheit in der Atacama-Wüste, der trockensten Region der Erde, in der Salpeterabbau betrieben wird. Nach dem Tod der Mutter lebte er von Gelegenheitsarbeiten, bis er einen Schreibwettbewerb gewann. Heute zählt er zu den meistgelesenen Autoren der spanischsprachigen Welt.
Sein erster ins Deutsche übertragener Roman schildert in schlichter, bildhafter Sprache das Leben in der Wüste aus Sicht der zehnjährigen María Margarita. Ihr Vater ist seit einem Minenunfall gelähmt, die Mutter davongelaufen, so dass es ihr und den vier älteren Brüdern am Nötigsten fehlt. Für das einzige Vergnügen, einen gemeinsamen Kinobesuch, reicht das Geld nicht aus. So wird María Margarita, die beste Erzählerin der Familie, allein losgeschickt, um den Film hinterher in einer feierlichen Prozedur zu erzählen, was ihr nach und nach im ganzen Dorf Ruhm einbringt. Diese Momente unendlichen Glücks, wenn die Vorstellungskraft über die Realität triumphiert, stärken sie für ihr von Schicksalsschlägen und Vereinsamung gezeichnetes Leben. Ein Roman, der verbreitet, wovon er handelt: Den Zauber des Erzählens.
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's 5/2011.
| Preis: EUR 14,90 |
Adams Erbe von Rosenfeld, Astrid
Was für ein bemerkenswertes Debüt einer erst 33jährigen Autorin! Astrid Rosenfeld, die nach dem Abitur Berufserfahrungen im Umfeld von Theater- und Filmbranche sammelte, erzählt am Beispiel der letzten hundert Jahre in der Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie, wie stark Vergangenheit die Gegenwart prägt.
Edward Cohen, Besitzer einer angesagten Modeboutique im Berlin der Jahrtausendwende, begreift angesichts einer unglücklichen Liebe die Inhaltslosigkeit seines bisherigen Lebens. In dieser Situation fällt ihm ein Buch in die Hand, das der Bruder seines Großvaters hinterlassen hat - Adam, das schwarze Schaf der Familie, dem Edward, wie er zu seinem Leidwesen ständig zu hören bekam, bis aufs Haar gleicht.
Aber nicht nur äußerlich ähneln sich die beiden Männer. Unter dem Schutz seiner exzentrischen Großmutter wird auch Adam in den dreißiger Jahren in Berlin als Träumer groß, bis er sich in die Polin Anna verliebt. Zum ersten Mal hat er ein Ziel, aber das Mädchen verschwindet in der Nacht des 9. November 1938. Adam muss sich entscheiden, ob er mit seiner Familie die vorbereitete Flucht nach England antreten oder Anna suchen soll.
Astrid Rosenfeld schildert bewegend, welche Möglichkeiten in Menschen liegen - im negativen wie im positiven Sinn, so dass der Titel des Romans "Adams Erbe" durchaus Allgemeingültigkeit besitzt.
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's" 4/2011
| Preis: EUR 21,90 |
| Preis: EUR 12,00 |
Die unsichtbare Brücke von Orringer, Julie
"Bewegend. Betörend. Mitreißend wie 'Doktor Schiwago'", urteilte The New York Times über den lang erwarteten ersten Roman der amerikanischen Erzählerin Julie Orringer, Jahrgang 1973. In dem Epos, das über 800 Seiten umfasst - und keine Seite ist dabei zu viel -, wird die Geschichte der ungarisch-jüdischen Familie Lévi im Umfeld des Zweiten Weltkrieges geschildert.
Budapest, 1937: In angespannter Erwartung besteigt der junge, unerfahrene Andras Lévi den Zug nach Paris, um ein Architektur-Studium an der avantgardistischen École Spéciale aufzunehmen. Nach und nach lässt er sich auf das studentische Leben mit durchfeierten Nächten und politischen Diskussionen ein und entdeckt das Theater, die Kunst - und die Liebe. Er beginnt ein leidenschaftliches Verhältnis mit der neun Jahre älteren Ballettlehrerin Claire Morgenstern, einer Exil-Ungarin, deren Leben von einem Vorfall aus ihrer Vergangenheit überschattet ist. Im Sommer 1939 muss Andras Paris verlassen, weil sein Visum nicht verlängert wird. Zuhause erwartet ihn der Arbeitsdienst, der ihn immer tiefer in die unmenschlichen Ereignisse des Krieges verstrickt.
Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Familiengeschichte beschwört Julie Orringer die untergegangene glanzvolle Welt der Metropolen Paris und Budapest herauf und vermittelt einen tiefen Einblick in das Schicksal der ungarischen Juden.
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "willie's" 6/2011
| Preis: EUR 24,95 |
Bilder von A von Honigmann, Barbara
"Wenn ich an A. denke, bin ich verletzt, beleidigt, fühle mich abgewiesen und ausgenutzt, er ist mir fern, fremd, unverständlich, und ich liebe ihn."
Die überraschende Nachricht von A.s Tod, die sie einer Zeitung im Urlaub entnimmt, lässt die Schriftstellerin Barbara Honigmann über ihre Beziehung zu dem Theaterregisseur nachdenken.
Sie lernen sich Anfang der siebziger Jahre kennen, als der erfolgreiche A., der gerade von einer Inszenierung im Westen zurückgekehrt ist, eine Dramaturgieassistentin sucht. Ein Jahr lang nennen sie ihr Verhältnis Liebe, dann gleitet es hinüber in etwas, das sie in ihrer Jahrzehnte anhaltenden Korrespondenz nicht mehr so, aber auch nicht als Freundschaft bezeichnen wollen. Die fünfzehn Jahre jüngere Barbara Honigmann kämpft um ihren eigenen Lebensweg, der sich beruflich zwischen den Möglichkeiten einer Theatermacherin, Malerin und Autorin bewegt und im persönlichen Umfeld die Auseinandersetzung mit dem Judentum ihrer Familie beinhaltet, denn sie ist Tochter deutsch-jüdischer Emigranten, die sich nach dem Überleben im Exil 1947 bewusst im kommunistischen Ost-Berlin angesiedelt haben. 1984 reist sie schließlich aus der DDR nach Straßburg aus.
In fast zärtlicher Sprache fügt Barbara Honigmann den realen Bildern, die sie von A., ihrer großen Liebe, gemalt hat, Erinnerungsbilder hinzu, um sich der Tatsache stellen zu können: "A. ist jetzt tot."
Heide Koller-Duwe, Buchtipp in "Willie's 8/2011.
| Preis: EUR 16,90 |
Der Fall Collini von Schirach, Ferdinand von
Der 1964 in München geborene Ferdinand von Schirach, der sich 1994 als Strafverteidiger in Berlin niederließ, hat mit seinen Erzählungen "Verbrechen" und "Schuld" für große Aufmerksamkeit gesorgt: In beiden Bänden wurden Fälle aus dem anwaltlichen Alltag aufgegriffen. Nun erscheint von Schirachs erster Roman, der den Leser von Anfang an fesselt.
Am 23. Mai 2001 betritt ein Mann mit den Worten "Guten Tag, Collini vom 'Corriere della Sera'" eine Suite in einem Berliner Luxushotel. Zwanzig Minuten später ist der Gast, der fünfundachtzigjährige Industrielle Hans Meyer, tot - von vier Schüssen in den Hinterkopf und mehreren Fußtritten getroffen. Vom Empfang des Hotels aus lässt der Täter die Polizei benachrichtigen und wartet in der Halle auf seine Festnahme. Der Italiener Fabrizio Maria Collini kam als Gastarbeiter nach Deutschland und hat vierunddreißig Jahre als Werkzeugmacher bei Mercedes-Benz gearbeitet. Zu seinem Motiv will er sich, auch seinem Pflichtverteidiger Caspar Leinen gegenüber, nicht äußern. Trotz aufwändiger Ermittlungen bleiben die Beweggründe für die Tat bis zum Prozessauftakt im Dunkeln. Erst als der Anwalt einer Spur mit eigenen Recherchen folgt, erhellen sich die Zusammenhänge, und ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte wird offenbar.
Sebastian Duwe, Buchtipp in "willie's 9/2011"
| Preis: EUR 16,99 |
Alles Land von Lendle, Jo
"Kein Horizont. Der Wind treibt Schnee über den Boden wie einen Schwarm kleiner Tiere, von denen eines dem anderen folgt. Am Ende gehen sie über ins stumpfe, leere Weiß des Himmels."
Mit diesen Zeilen führt uns Jo Lendle in die eisige Kälte Grönlands - hinein in eine Welt, die auf Alfred Wegener, den Protagonisten des Romans, einen besonderen Reiz ausübte und in der er 1930 den Tod finden sollte.
In eindrucksvollen Bildern schildert der Autor Lebensstationen des 1880 in Berlin geborenen Meteorologen und Polarforschers, dessen Neugierde früh sichtbar wird: Bereits mit neun Monaten macht er sich bäuchlings auf die Verfolgung einiger Ameisen. Wir nehmen als Leser teil an einer Ballonfahrt zu wissenschaftlichen Zwecken, bei der er mit seinem älteren Bruder unfreiwillig einen Dauerrekord aufstellt, verfolgen die mit großem Einfühlungsvermögen eingefangene Liebesgeschichte mit Else Köppen und begleiten Alfred Wegener auf seinen dramatischen Expeditionen.
Jo Lendle, geboren 1968, der bereits mit seinen früheren Romanen für Aufmerksamkeit sorgte, stellt den Menschen Alfred Wegener ins Zentrum der Betrachtung und ergründet, wie aus dem abenteuerlustigen Kind der Wissenschaftler wird, dessen Theorie zur Kontinentaldrift erst nach seinem Tod Anerkennung findet.
Sebastian Duwe, Buchtipp in "Willi's 10-11/2011
| Preis: EUR 19,99 |
| Preis: EUR 17,95 |
Ich Tarzan - du Nickless!" von Murail, Marie-Aude
Um Erfolg im Leben zu haben, muss man Sprachen beherrschen, meint Jean-Charles’ Vater, der selbst übrigens kein besonders fleißiger Schüler war. Daher beschließt er, die Sommerferien mit seiner Familie auf einem Campingplatz in Deutschland zu verbringen, damit seine beiden Kinder richtiggehend in der deutschen Sprache baden können. Der neunjährige Jean-Charles allerdings träumt eher vom Baden im Meer, so dass er denkbar schlecht gelaunt ist, als seine Eltern ihn zum Fußballspielen mit dem deutsch aussehenden Jungen aus dem Nachbarzelt nötigen. Wider Erwarten macht das Spiel mit dem vermeintlich blöden Jungen Spaß, der sich als „Nickless“ (oder so ähnlich) vorstellt. Jean-Charles, dem sein Name nicht sonderlich gefällt, antwortet spaßeshalber mit „Ich, Tarzan!“, was von seinem neuen Freund sofort ernsthaft als „Ichtazan“ wiederholt wird. Jean-Charles schließt daraus messerscharf, dass Nickless wohl auch in einer Fremdsprache baden soll, und bedient die Wissbegierde – vom Teufel geritten – mit Phantasievokabeln.
Dass es unweigerlich zu Komplikationen kommen muss, wenn man seinen Eltern eine ausgedachte Sprache als Holländisch verkauft, die Zeltnachbarn – Iren, wie sich zum Ende der Ferien herausstellen soll - aber glauben, sie lernten französisch, kann man sich vorstellen. Marie-Aude Murail, eine der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Frankreichs, hat mit „Ich Tarzan – du Nickless!“ einen Roman zum Vorlesen ab 5 Jahren oder ersten eigenständigen Lesen geschrieben, der, in größerer Schrift gesetzt und durchgängig farbig illustriert, im Moritz Verlag zu 9,95 € erschienen ist. Das warmherzige Buch macht Riesenspaß und fördert zweifellos die Lust zu lesen.
Heide Koller-Duwe
| Preis: EUR 9,95 |
Der Hase mit den Bernsteinaugen von Waal, Edmund de
Ende des 20. Jahrhunderts erhält der britische Keramikkünstler Edmund de Waal, der eine Professur an der University of Westminster bekleidet, aus dem Nachlass seines Großonkels eine Sammlung von 264 Netsuke. Diese traditionellen japanischen Miniatur-Schnitzereien aus edlen Hölzern oder Elfenbein, oftmals Tierdarstellungen, dienen zur Befestigung einer Lackdose am Kimonogürtel. Fasziniert von der Vorstellung, dass Objekte Erinnerungen in sich versammeln und damit Geschichte(n) weitertragen, begibt sich der Erbe auf Spurensuche, wie die Netsuke in den Besitz seiner Familie kamen und welches Schicksal ihnen widerfuhr.
Edmund de Waal ist ein Nachfahre der jüdischen Familie Ephrussi, die, im Getreidehandel in Odessa aufgestiegen, ein eigenes Bankimperium gründete, indem sie ihre Söhne in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in großbürgerlichen Prunkbauten in Paris und Wien siedeln ließ. Dem Pariser Zweig, der mit den Rothschilds verschwägert war, entsprang der Kunsthistoriker Charles Ephrussi, Förderer der Impressionisten und Freund von Proust, der im Zuge einer Japan-Mode die Netsuke erwarb und in seinen repräsentativen Räumen ausstellte. Um die Jahrhundertwende verschenkte er die Sammlung an seinen bibliophilen Lieblingscousin der österreichischen Linie, wo sie ihren Platz für knapp 40 Jahre im Ankleidezimmer der Dame des Hauses erhielt und damit zum Spielzeug der Kinder wurde. Es handelte sich um umwälzende Jahre von der Kaiserzeit bis zum „Anschluss“ an das Deutsche Reich, mit dem die Enteignung des Besitzes und die Flucht der Familie einherging. Die wundersame Rettung der Netsuke sollte erst nach dem 2. Weltkrieg offenbar werden, so dass die Sammlung ein neues Zuhause im Tokio der Nachkriegszeit fand.
Edmund de Waals literarische Biographie ist ein lebendiges, einfühlsames, anregendes Kaleidoskop aus Familien-, Kultur- und Zeitgeschichte. Fast hat der Leser den Eindruck, ein die Neugier anfachendes Netsuke in der Tasche zu tragen, genau wie der Autor bei seinen Recherchen, beispielsweise den Hasen mit den Bernsteinaugen. Das gleichnamige Buch ist im Zsolnay Verlag zu 19,90 € erschienen.
Heide Koller-Duwe
| Preis: EUR 19,90 |
Im Auftrage des Verlages liefern wir ausschließlich an Endkunden ohne Rabatt, zuzüglich Versandkosten in Höhe von 3 Euro!
| Preis: EUR 19,70 |